Zum 6. Mal bin ich nun schon mit Freunden auf einem Segelboot in See gestochen. Bislang waren unsere Ziele: Mallorca, Kykladen (2x), Kroatien und Ostsee. Diesmal ging es zu den Dodekanes – einer Inselgruppe in der südlichen Ägäis.

Crew am Start- und Endpunkt der Reise: Kos
Wie kam es überhaupt zu diesen Törns? Die Idee des Segelns mit Freunden entstand bereits 1996. Damals waren Axel Konjack und ich Schiffsjungen (Trainees) beim Axel Springer Verlag. Wir waren im Bereich von Dr. Ralf Kogeler tätig und teilten uns ein 20-Quadratmeterbüro und ein Telefon. Ja, dabei lernt man sich gut kennen. Ruckzuck entdeckten wir gemeinsame Affinitäten – so eben auch die des Segelns. Unser Navigationsziel stand nun fest: eine coole Reise mit Freunden auf einer schönen Yacht.
Nicht selten brauchen gute Ideen ihre Zeit bis sie in die Realität umgesetzt werden. Axel und ich haben häufig darüber philosophiert, gesponnen, überlegt. Dann kam endlich der richtige Anlass: Im Jahr 2000 plante ein sehr guter gemeinsamer Freund eine grandiose Hochzeit auf Ibiza – wir und einige weitere gemeinsame Freunde waren eingeladen. Alles passte, wir begannen die Feinplanung: Fix charterten wir eine Bavaria 40 und verschickten eine Mail an unsere Freunde. Zunächst hatten wir Angst, Schiffbruch zu erleiden, bevor wir überhaupt losgesegelt sind. Denn die Resonanz lag enttäuschend bei: 0, nada, nothing – nicht einer heuerte an. Viele hatten zwar irgendwie total große Lust, aber eine verbindliche Zusage war zu einem frühen Zeitpunkt schier unmöglich.
Axel und ich hatten schon die Sorge, zu zweit ablegen zu müssen. Na ja, letztendlich hat die Idee die Runde gemacht und wir waren 11 Männer auf einer 40 Fuß Yacht und hatten reichlich Spaß.
Die Segelreisen begannen und sind seitdem eines der Highlights in meinem Leben. Ein Ritual, das ich nicht missen möchte. Bereits 2000 auf Mallorca waren Hartwig und Erwin Bakker an Bord. Mit Hartwig Coste habe ich seitdem alle Reisen bestritten, Erwin fehlte nur einmal. Ein Jahr später stieß Burkhard dazu der seitdem auch auf allen Trips dabei war.
Diesmal – wie gesagt – ging es auf die Dodekanes. Grund für die Wahl sind vor allem die hervorragenden Windverhältnisse, traumhafte Buchten zum Baden, Ankern und Angeln. Und nicht zuletzt: Das Boot. Eine Cyclades 50.5, gerade mal vor einem Jahr vom Stapel gelaufen.
Diese Reisen haben für mich 3 Highlights, auf die ich mich immer schon ein Jahr im Voraus freue:
- das Erlebnis auf dem Wasser zu sein
- das Segelerlebnis
- eine Woche unter Freunden - mit guten und inspirierenden Gesprächen
Wie es der Zufall so will, sind wir inzwischen eine geballte Mediencrew und fast gleichaltrig. Beruflich und privat beschäftigen uns ähnliche Dinge: Jobs im relativ gleichen Metier, Familie, Kinder, Zigarren, …
In unseren Berufen sind wir teilweise ganz schön verbandelt. Irgendwie hat jeder schon mal mit jedem ein Geschäft gemacht. Skipper Hartwig ist Pressesprecher beim Konzertveranstalter Funke Media, Burkhard ist bei Vodafone für die Monetarisierung der Mobile- und Internetportale zuständig, Erwin ist CFO bei Publicis, Till macht Marketing bei Monster und Karim ist Geschäftsführer von Xenion.
Klar, dass wir da auch ziemlich viel über unsere Branche gesprochen haben: viel über Marketing, CRM Modelle, Branding versus Response, Search oder Display, Mobile Marketing, Trends, die Rolle der Media-Agenturen, innovative Werbung – aber die Gesprächsdetails bleiben unter uns
Nun aber endlich zum Segeltörn:
Unser Rundtrip führte uns von Kos, nach Tilos, nach Rhodos, zur Stadt Lindos, nach Symi, wieder über Tilos, nach Gyali und über Nisyros zurück nach Kos.

Hier segelten wir kreuz und quer
Zum Glück durften wir das Boot diesmal sogar von Samstag bis Sonntag behalten, so dass wir 2 Tage mehr auf See verbringen konnten. Neben den spannenden Gesprächen hatte die Reise zahlreiche Höhepunkte von denen ich einige skizzieren möchte:

Am Hafen der Stadt Rhodos
Vor allem Kos und Rhodos sind voll mit Festungen der Kreuzritter. Es ist schon beeindruckend die Spuren der vereinigten Christen aus Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland zu sehen, die im 12. Jahrhundert der Menschheit ihren Glauben aufzuzwingen wollten. Überreste sind insbesondere im alten Teil der Stadt Rhodos auf der gleichnamigen Insel noch gut zu erkennen. Von hier haben die Kreuzritter mehrere Jahrhunderte lang agiert.

Unsere Cyclades vor Tilos
Ein weiteres Highlight ist Lindos: Neben Santorini habe ich selten eine so schöne Bucht gesehen. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Akropolis (ebenfalls eine Johanniterfestung) die von weitem aussieht wie der Tafelberg in Kapstadt. Hier haben wir 2 Tage geankert. Faszinierend sind die ganzen schönen Bars und Restaurants in der Altstadt die wiederum an Mykonos erinnern. Im Mai war es noch relativ leer, im Sommer soll die Stadt fest in britischer Hand sein. Auf Lindos probierte ich gemeinsam mit Till auch ein neues Fortbewegungsmittel aus: einen Esel. Auf ihm ritten wir in die Stadt, was nicht gerade vorteilhaft, aber lustig ausgesehen haben soll.

Bucht von Lindos
Dann Symi: Ein traumhaft schöner Hafen mit vielen kleinen Gebäuden aus dem Mittelalter, die in den Hang gebaut sind. Leider ist das Hafenbecken 18 Meter tief und wir hatten starken Nordwind. Ordentliches Ankern war schier unmöglich. Wir mussten den Hafen nach einer kurzen Spritztour noch am gleichen Tag verlassen.

Nach einer Nacht in Gyali, wo es außer eines Bimssteinabbaus wirklich gar nichts gibt, segelten wir nach Nisyros. Die Nacht war ziemlich skurril. Wir lagen vor der rostigen Verladerampe, hinter uns ein Tanker, der auf einen Liegeplatz wartete und sonst sahen wir eine riesige Mine, direkt vor uns. Auch in der Nacht war dort alles hell beleuchtet. Angekommen in Nisyros haben wir uns Motorräder gemietet und sind in den Krater des noch aktiven Vulkans gefahren. Das war beeindruckend – und schön mal wieder Roller zu fahren.
Traditionell entscheiden wir uns für das Reiseziel des nächsten Jahres immer im Oktober. Diesmal stehen Sardinien und Sizilien hoch im Kurs. Wenn Ihr noch Ideen für uns habt, würden wir uns freuen.
PS: Ich schätze, wenn ich erst bei wunderloop an Bord bin, werden meine Beiträge wohl meist wieder etwas knapper ausfallen. Schön, im Moment mal etwas mehr Zeit für die Dinge zu haben, die mir außer meinem Beruf noch am Herzen liegen.

